Kiev Stingl - No Erklaerungen

Kiev Stingl - Texte und Songs


Nirgendwo der an die Wand geknallte Wunsch nach den jungen Babies der anderen. Wo ist diese Jugend, Literat? Aus. Wie kriegt man in diesen Breiten schattenloses Schwarz? Ich will Sachen, die kräftig genug sind, um für Reportagen in Männerillustrierten zu taugen. Rausgekriegtes, was nicht mitteilbar ist. Nur noch da sein und in die Moderne starren. Werbespots fürs Nichts. Shakespeare im TV oder die “Stranglers” auf LP, wo ist der Unterschied, wenn du fällst? Keiner ist Augenzeuge meiner Empfindungen. Lechzen nach Theater, sonst nichts. No Erklärungen. […]

(Vorwort zu Flacker in der Pfote, 1980)



das erste, was mir auffällt, in westberlin, ist dies mädchen im blonden bikini mit weizengelbem sonnenhut. ihre haut hat eine figur, als hätte ich sie erfunden. oder vorher berührt. dann überläuft sie schwarzflutendes schütteln. + koukou + flüster ich mit beben und bangen vor so viel lauter jugend. + wenn sie deswegen schon die augen aufreissen, mister +, sagt der taxifahrer, + was passiert dann bloß, wenn wir am strand stoppen fragezeichen + . ihr männliches imperium lacht ohne die übliche europäische schwermut zu mir rüber. ich ziehe mein taschentuch vor diesem badeort, ich bin nicht verheiratete und auch verheiratete männer. stolz wischt übers gesicht. er läßt sich zeit dabei, ich miete ein zimmer, wenn ich ihre flammenradgroße sonnenbrille aus den augen verliere.

(unveröffentlichtes Manuskript, ca. 1982)



Gespenster

 

Ach, aus meines Umhangs nächtlich Stoff

hab ich den schwarzen Schleier dir gewebt,

daß kein Licht knüpft

ein Bild von diesem Angesicht:

 

grün geschlagen, Blau gefroren.

Rot aufgeschlitzt. In Gelb erhitzt

der Religiösen Litanei zu einem Flehen,

in dem fremde Stiefel über Heimatboden gehen.

 

Und in den Zimmern aufgeschrieen,

hab ich geschworen: ich töte Dir die Zeit.

Als Killer war ich immer einsam.

 

Jeder Stich mit meinem Dolch war Ziehen

mit dem Feind. Er hat uns aufgelauert.

Gespenster hängen schwarze Fahnen in die Fenster.

(Grausam das Gold und jubelnd die Pest, 1989) 


Tonträger

Teuflisch (Ahorn 1975)

Hart wie Mozart (Ahorn 1979)

Ich wünsch den Deutschen alles Gute (Ahorn 1981)

Grausam das Gold und jubelnd die Pest (What So Funny About 1982)

Literatur

Flacker in der Pfote (Pohl'n'Meyer 1980)

Die besoffene Schlägerei (cyrano 1984)

keiner maria cowboy (galrev 1993)

sink skin (galrev 1995)